Bezeichnungen wie "Zweite Generation" oder "Secondo"/"Seconda" verweisen auf die Lebensrealitäten von Menschen, die keine Migrant_innen sind und dennoch von der Mehrheitsgesellschaft als "Andere" konstruiert werden. Tatsächlich ist die Generation der "Postmigration" jedoch durch ein Selbstverständnis charakterisiert, das traditionelle Identitätsentwürfe infrage stellt und stattdessen ein neues Vokabular von Zugehörigkeit entwickelt.
Sprache reflektiert nicht nur soziale Beziehungen, sondern konstruiert diese auch mit. Dabei ist Sprache selbst wandelbar und flexibel – und gilt damit als Schlüsselwerkzeug für gesellschaftliche Veränderung, mit dem bestehende Normen und Verhältnisse beeinflusst werden können. Im vorliegenden Schwerpunkt stellt migrazine.at mögliche Interventionen und Strategien eines antidiskriminatorischen Sprachgebrauchs vor.
Quer durch alle Genres, Kontinente, Dimensionen.
"Fremdsein ist eine Kunst", sagte einmal die japanisch-deutsche Schriftstellerin Yoko Tawada. Tatsächlich haben während des letzten Jahrzehnts die Werke von Autor_innen "migrantischer Herkunft" im deutschsprachigen Raum einen regelrechten Rezeptionsboom erlebt. Doch welche Zuschreibungen werden unter Labels wie "Migrationsliteratur" oder "interkulturelle Literatur" eigentlich verhandelt? Und: Wie könnte eine selbstbestimmte Neuverortung literarischer Identitäten – jenseits herkömmlicher Repräsentationspolitiken – aussehen?
100 Jahre Frauentag: Am 19. März 1911 wurde in Österreich, Deutschland, Dänemark, der Schweiz und in den USA der erste Internationale Frauentag begangen, Frauenrechte standen im Zentrum der Proteste. Wir nehmen das historische Jubiläumsjahr zum Anlass und gehen der Frage nach, wie Debatten über Migration, (Anti-)Rassismus und Postkolonialismus die Gender-Diskurse der Gegenwart beeinflussen und von welchen Subjekten die Rede ist, wenn heute über "Emanzipation" gesprochen wird.
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Seit einiger Zeit kommt Bewegung in die österreichische Medienlandschaft: Mehrheits-Medien und die Kommunikationswissenschaft entdecken die Migrant_innen neu – als Produzent_innen und Konsument_innen von medialen Inhalten. Zugleich wächst auch das Interesse an Medien von und für Migrant_innen, nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen. Ein Schwerpunkt über die Möglichkeiten der medialen Selbstrepräsentation für Migrant_innen und die Sackgassen der Diversitätslogik im Medien-Mainstream.
"What they need is a union", kommentiert Officer Russell in der US-TV-Serie "The Wire" die Information eines Kollegen, dass allein in der US-amerikanischen Sexindustrie mehrere zehntausend undokumentierte Migrantinnen beschäftigt seien. Und tatsächlich: An den verheerenden Entgelt- und Arbeitsbedingungen im Bereich un(ter)dokumentierter migrantischer Arbeit wird längerfristig wohl nur die (Selbst-)Organisierung der Betroffenen etwas ändern können.
Ausgehend von einer Kampagne des Wiener Kollektivs PrekärCafé zum Thema "Undokumentiertes Arbeiten, Organisierung und Gewerkschaften" stellt der vorliegende Themenschwerpunkt deshalb die Frage nach den Bedingungen und Möglichkeiten für solche Organisierungsprozesse. Entstanden ist der Schwerpunkt in einer Kooperation zwischen dem Zeitungsprojekt "MALMOE", dem PrekärCafé und migrazine.at.
Der Bleiberechtstag am 10. Oktober ist Anlass für diesen Themenschwerpunkt, der "Queer Refugees" gewidmet ist – Flüchtlingen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität Gewalt erfahren haben oder solche fürchten müssen. In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem feministischen Monatsmagazin "an.schläge" untersucht migrazine.at die Situation von LGBTI-Flüchtlingen (Lesbian, Gay, Transgender, Intersex) vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Asylpolitiken in Europa. Mit diesem Schwerpunkt unterstützen wir die Forderung: Bleibe- und Bewegungsrecht für alle, hier und jetzt!
1978 veröffentlichte Will Eisner die Bildergeschichte "Ein Vertrag mit Gott" über das Leben eines jüdischen Migranten in New York. In Abgrenzung zu den kommerziellen Comic-Heften bezeichnete Eisner seine Erzählung als "Graphic Novel". Auch der Comic-Roman "Maus" (1986) von Art Spiegelman thematisiert jüdisches Leben und die Shoah. Zahlreiche Künstler_innen haben sich seitdem der "grafischen Novelle" und anderen Comic-Genres bedient, um ihre Lebensgeschichten in der Migration bzw. in der Diaspora neu zu erzählen und die gesellschaftliche Zuweisung ihrer Position als "Fremde" zu verhandeln.
Nach dem "Wonnemonat Mai" werfen wir einen kritischen Blick auf den "schönsten Tag im Leben": über die Auswirkungen der Fremdenpolitik auf binationale Partnerschaften, die Bedeutung von Heirat und Staatsbürgerschaft auf die Entschädigungszahlungen von NS-Opfern, Scheinehen im Kino, den Medien-Hype der Zwangsehe und vieles mehr.
Was einst zu den traditionellen Aufgaben der (Ehe-)Frau gehörte, wird heute immer öfters delegiert - an andere, migrantische Frauen, die (oft undokumentiert) die Pflege- und Haushaltsarbeit übernehmen. Doch auch in der Sexarbeit sind hierzulande hauptsächlich Migrantinnen tätig. Hier wie dort wächst der Widerstand gegen die prekarisierten Arbeitsverhältnisse.
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Ausgrenzung und Armut machen krank, bleiben aber als Ursache oft unsichtbar. Dafür boomen "inter-" und "transkulturelle" Themen im Gesundheits- und Pflegediskurs. Ein Themenschwerpunkt zur antirassistischen Gesundheitsvorsorge.
Die allgemeine Rede von "der Krise" lenkt von dauerhaft prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen ab: Inner- und außerhalb der Wohlstandsnationen spüren viele nicht erst die Auswirkungen der jüngsten Finanzkrise, sondern sind mit weiter verschärften Existenzbedingungen konfrontiert. migraZine berichtet aus Chile und Brasilien sowie über die philippinische Migration nach Europa.
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Wählen gilt als demokratisches Grundrecht und wichtigstes Mittel politischer Mitbestimmung. Doch wer kann hier eigentlich partizipieren? Unter welchen Bedingungen und in welcher Form? Im Themenschwerpunkt werden bestehende und mögliche Modelle von "Wählen" und "Wahlrecht" dargestellt — aus politikwissenschaftlicher, historischer und aktivistischer Perspektive. Wer bleiben will, soll bleiben können. Wer bleiben will, soll wählen können. Für ein Wahlrecht für alle!
Namen schaffen Realität. Politische Selbstbezeichnung steht für: Selbstdefinition, Selbstrepräsentation, Subjektwerdung. Dafür greifen marginalisierte Stimmen auf Strategien der Aneignung, Umkehrung, Neudefinition und (Wieder-)Entdeckung zurück: nomen est (non) omen.
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