Glossar der politischen Selbstbezeichnungen: A wie ... Afro-deutsch

Von A-Z: "Talking back from the margins" (bell hooks)

Mit Audre Lorde entwickelten wir den Begriff "afro-deutsch" in Anlehnung an "afro-amerikanisch", als Ausdruck unserer kulturellen Herkunft. "Afro-deutsch" schien uns einleuchtend, da wir fünf eine deutsche Mutter und einen afrikanischen oder afro-amerikanischen Vater haben. Inzwischen lernten wir Afro-Deutsche kennen, deren Eltern beide aus Afrika stammen oder deren einer Elternteil afrodeutsch ist und der andere aus Afrika kommt. Dadurch wurde uns klar, dass unsere wesentliche Gemeinsamkeit kein biologisches, sondern ein soziales Kriterium ist: das Leben in einer weißen deutschen Gesellschaft.

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Mit dem Begriff afro-deutsch kann und soll es nicht um Abgrenzung nach Herkunft oder Hautfarbe gehen, wissen wir doch allzu gut, was es heißt, unter Ausgrenzung zu leiden. Vielmehr wollen wir "afro-deutsch" den herkömmlichen Behelfsbezeichnungen wie "Mischling", "Mulatte" oder "Farbige" entgegensetzen, als ein Versuch, uns selbst zu bestimmen, statt bestimmt zu werden.

Aus: Katharina Oguntoye/May Opitz/Dagmar Schultz (Hg.) (1986): Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. Orlando Frauenverlag: Berlin, S. 10.


Beitrag aus migrazine.at, Ausgabe 2009/1.