Einleitung

Seit den 1990er Jahren schotten sich die europäischen Staaten mit immer restriktiveren Asyl- und Fremdengesetzen gegen Zuwander_innen ab. Auch in der kürzlich von der SPÖ-ÖVP-Koalition vorgestellten Maßnahme der Flüchtlingshaft für Asylsuchende („Mitwirkungspflicht“) und im jüngsten Anschlag auf ein Grazer Asylheim manifestieren sich einmal mehr staatlicher Rassismus und rechte Hetze.

Dieser Themenschwerpunkt ist "Queer Refugees" gewidmet – Flüchtlingen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität Gewalt erfahren haben oder solche fürchten müssen. In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem feministischen Monatsmagazin "an.schläge" untersucht migrazine.at die Situation von LGBTI-Flüchtlingen (Lesbian, Gay, Transgender, Intersex) vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Asylpolitiken in Europa:

María do Mar Castro Varela und Encarnación Gutiérrez Rodríguez analysieren "Queer Politics" im Exil und in der Migration. Die aktuelle Asylgesetzgebung in Österreich und die Beratungspraxis ist Thema des Interviews, das Cristiane Tasinato mit der Deserteurs- und Flüchtlingsberatung Wien geführt hat. Petra Sußner kritisiert die heteronormativen Implikationen des sog. Familienverfahrens im österreichischen Asylrecht. Die von Judith Butler ausgelöste Diskussion über Homorassismus und Homonationalismus rund um den diesjährigen Berliner CSD fasst Katharina Ludwig zusammen. Sie sprach außerdem mit LesMigraS, dem Antidiskriminierungsbereich der Lesbenberatung Berlin, über seine aktuelle Kampagne.

In den "an.schlägen" beleuchtet Vina Yun die Asylpolitiken in Österreich, Deutschland und der Schweiz hinsichtlich des Flüchtlingsschutzes für LGBTIs. Sie und Verena Stern interviewten Mashad Torkan, Co-Regisseurin des Films "Cul de Sac" über die iranische lesbische Aktivistin Kiana Firouz, der im Oktober in Leipzig aufgeführt wird. Die Ambivalenzen des "sexuellen Rettungsdiskurses" von Queers in einem "vereinten Europa" diskutiert Ana Hoffner.

Der 10. Oktober ist der Tag des Bleiberechts. Mit diesem Themenschwerpunkt unterstützen wir die Forderung: Bleibe- und Bewegungsrecht für alle, hier und jetzt!