Der edle Ritter und das Donauweibchen

Ich weiß, zu viel Aufmerksamkeit sollte Herr Strache dieser Tage (und am besten auch sonst) nicht bekommen. Aber: Die blauen „Sagen aus Wien“ müsst ihr lesen – ein 55-seitiges Comic-Heftchen, das kurz vor den heutigen Landtagswahlen in Wien von der FPÖ an diverse Haushalte verschickt wurde. Was, das kennt ihr noch nicht?

Heinz-Christian Strache ist der listige Held in einer dieser neu aufgelegten Wiener Sagengeschichten und kämpft allein gegen – unter anderem – die türkischen Belagerer der Stadt im Jahre 1683. Klar verstehe ich die Aufregung aufgrund der offensichlich rassistischen – allen voran islamophoben – und sexistischen Darstellungen. Aber Strache ist ohnehin 327 Jahre zurückgeblieben!

Der Erzählstil ist nicht immer leicht zu verstehen – selbst „echte“ WienerInnen könnten dabei einige Schwierigkeiten bekommen. Reichlich verstaubt, äh, altertümlich, ist nicht nur die Sprache. Damit meine ich gar nicht den Wiener Dialekt, sondern vor allem die Storys im Heft. Jene vom Donauweibchen finde ich am grausamsten: Der mächtige Donaufürst, ein dunkler Geist, lebt mit seiner Frau und seinen Kindern im wunderschönen Unterwasser-Palast in der Donau. Er haut seine Töchter brutal und manchmal auch tot, wenn sie nicht pünktlich zuhause erscheinen.

Stellen wir uns vor: Eines Tages wacht der Donaufürst auf und kennt sich gar nicht mehr aus – er findet sich an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit wieder. Die Menschen kleiden sich anders, sprechen vielen Sprachen, haben viele neue Gesichter, fahren völlig unbekannte Fahrzeuge. Johann Strauss ist schon längst tot und der liebe Augustin auch. Ach ja, nur der Stephansdom steht immer noch da, so wie auch der Bürgermeister von Wien.

Ihr fragt euch noch immer, was das mit den Wien-Wahlen und mit Politik zu tun hat?