Editorial

Mit dem Schwerpunkt "Quer durch migrazine.at", der in Kooperation mit der feministischen Zeitschrift aep informationen aus Innsbruck auch in Printform erschienen ist, blickt migrazine.at auf die letzten sieben Jahre seiner publizistischen Arbeit zurück. migrazine.at wird vom autonomen Migrantinnen-Verein maiz in Linz herausgegeben und ging 2006 erstmals online. Seit dem Relaunch 2009 ist das "Online-Magazin von Migrantinnen für alle" in seiner jetzigen Form im Netz.

Unsere politische Position als Migrant_innen und Women of Color und die queer-feministisch-antirassistische Perspektive schließen bei migrazine.at eine sogenannte objektive Berichterstattung aus. Vielmehr ist migrazine.at eine selbstorganisierte Plattform für unterrepräsentierte Stimmen - und somit parteilich. Es ist uns ein medienpolitisches Anliegen, mit migrazine.at kritisches Wissen zu produzieren und in den dominanten Mediendiskurs zu intervenieren, der Migration zum "Problem" erklärt und "Integration" als dessen Lösung verhandelt. Auch aus diesem Grund richten wir unseren Blick nicht ausschließlich auf die "Minderheit", sondern vor allem auf die "Mehrheit" der Gesellschaft.

Die Beiträge in im vorliegenden Fokus-Schwerpunkt wurden aktualisiert, gekürzt und überarbeitet und bieten einen breiten Einblick in das publizistische Selbstverständnis von migrazine.at. In den 14 Beiträgen gehen wir dem Verhältnis zwischen "Mehrheitsmedien" und Migrant_innen/People of Color als Produzent_innen und Konsument_innen nach, blicken auf innerfeministische Debatten zu konservativer Frauenpolitik und erinnern an die sozialen Kämpfe von Sexarbeiter_innen. Wir berichten über aktivistische Erfolge, die Arbeitsrechte von undokumentierten Migrant_innen zu schützen, und über Aktionen gegen Abschiebung und Antiromaismus. Ebenso greifen wir die ambivalente Bedeutung der Blutspende auf, beschäftigen uns mit Fragen der (Un-)Wissensproduktion und gehen Interventionen gegen Rassismen in der Kinderliteratur nach. Nicht zuletzt widmen wir uns der Geschichte der "Gastarbeiter_innen" aus soundpolitischer Perspektive und beschließen den Schwerpunkt mit einem Kommentar zur "Zweiten Generation".

Das Kollektiv migrantas, gegründet von der Künstlerin Marula Di Como und der Grafikerin Florencia Young, begleitet die Textauswahl mit Piktogrammen. Die Comicautorin und Illustratorin Paula Bulling gab migrazine.at 2013 ein Interview über ihre viel beachtete Graphic Novel "Im Land der Frühaufsteher". Für "Quer durch migrazine.at" hat sie das Coverbild der Printausgabe der "aep informationen" gestaltet.


© Paula Bulling© Paula Bulling