Fokus

SOLIDARITÄT

Im ersten Schwerpunkt der Ausgabe wird der Begriff "Solidarität" in verschiedenen Facetten beleuchtet. Was haben die Fluchtbewegungen der letzten Jahre angestoßen, welche politischen Perspektiven und solidarischen Praxen sind möglich – und wann bleibt Solidarität eine Unmöglichkeit?

Quer durch migrazine.at

2009 ging migrazine.at als "Online-Magazin von Migrantinnen für alle", herausgegeben von der Migrantinnen-Selbstorganisation maiz, ins Netz. Mit diesem Schwerpunkt, der in Kooperation mit der feministischen Zeitschrift aep informationen aus Innsbruck auch in Printform erschienen ist, blickt migrazine.at auf die letzten sieben Jahre seiner publizistischen Arbeit zurück.

Let's talk about: Klassismus

"Klassismus" bedeutet klassenspezifische Diskriminierung, Ausbeutung und Marginalisierung. Schwarze und lesbische Feministinnen aus der Arbeiter_innenbewegung brachten den Begriff in den USA der 1970er Jahre in die Debatten ein. Zwischenzeitlich geriet Klassismus als Thema und soziales Analysewerkzeug - nicht als Realität - in den Hintergrund.

migrazine.at schließt sich mit dieser Ausgabe den aktuellen Bemühungen rund um "Class Matters" an. So gehen wir etwa der Frage nach, wie "Klasse" heute im (queer-)feministischen Aktivismus thematisiert wird. Parallel dazu hinterfragen wir die Verbindungen mit Rassismus und Sexismus. Ein wesentlicher Aspekt ist Bildung, spielt doch das gesamte Feld - von den Hauptschulen bis zu den Unis - eine zentrale Rolle für die Reproduktion von Klassismus.

Dieser Themenschwerpunkt ist in Kooperation mit an.schläge – Das feministische Magazin entstanden.

Bis aufs Blut

Um kaum einen anderen Stoff ranken sich derart viele Fantasien und Mythen wie um diesen besonderen Saft: Blut. Der aktuelle Schwerpunkt wirft ausgewählte Schlaglichter auf die ambivalenten Bedeutungen, die Blut eingeschrieben sind - von den kolonial-rassistischen und nationalsozialistischen Diskursen über "reines Blut" bis zur nationalen "Blutsgemeinschaft" der Gegenwart, von der Blutspende als "selbstloser Tat", die Leben rettet, bis zum "bösen Blut" als Träger von Krankheit und Seuche, vom christlichen Opferblut bis zum Menstruationsblut als Material in der feministischen Aktionskunst, das die männliche Vorherrschaft besudelt.
Foto: wwarby/flickr (CC-Lizenz)

Critical Whiteness – Kritisches Weißsein

Seit einigen Jahren erhalten Critical-Whiteness-Konzepte in den Debatten der antirassistischen Linken zunehmende Aufmerksamkeit. In diesem Schwerpunkt, der in Kooperation mit dem feministischen Magazin an.schläge entstanden ist, gehen wir der Frage nach: Welche Bedeutung hat Critical Whiteness/Kritisches Weißsein – oftmals als elitärer akademischer Diskurs kritisiert – für die antirassistische Praxis? Die unterschiedlichen Perspektiven auf diese Frage spiegeln sich nicht zuletzt auch in den Begriffsverwendungen und Schreibweisen der Beiträge (zum Beispiel Schwarz, weiß, Weißsein oder weiß-sein).
Über Begrifflichkeiten wurde auch in der Vorbereitung zum Schwerpunkt in unseren Redaktionen diskutiert: Welche Entwicklungsgeschichte legt der englischsprachige Terminus Critical Whiteness nahe? Handelt es sich bei der aus den USA stammenden Forschungsrichtung tatsächlich um etwas Neues? Und: Knüpft Kritisches Weißsein an die hiesigen antirassistischen Kämpfe von Schwarzen Menschen und People of Color an?

Ülkü, Lilli, Cosinus: Emanzipatorische Kinder- und Jugendliteratur

Geschichten erzählen und damit Vorstellungen von der Welt geben – das ist die Aufgabe von Kinder- und Jugendliteratur. Sie liefert damit auch Bilder von Geschlecht, Ethnizität, Sexualität und anderen Zugehörigkeiten, die vom gesellschaftlichen Konsens der jeweiligen Epoche geprägt sind. Dass dieser nicht unwidersprochen bleibt und dank kritischer Interventionen auch veränderbar ist, zeigte sich zuletzt an der Debatte um das "N"-Wort und anderen diskriminierenden Begriffen in Kinderbüchern.
Erfreulicherweise gibt es aber auch genügend empfehlenswerte Literatur für Kinder und Jugendliche, die dem Begriff "emanzipatorisch" gerecht wird – indem sie unterschiedlichste Lebensentwürfe aufzeigt und nicht-normative Rollenbildern vorstellt. In Kooperation mit dem feministischen Monatsmagazin an.schläge stellt migrazine.at einige dieser Bücher vor – und lotet aus, wo es noch Leerstellen in Sachen Emanzipation gibt.

Dancehall im Diskurs: Gegen Homophobie & Kulturalismus

Als der jamaikanische Dancehall-Künstler Sizzla im März 2012 in Wien auftrat, ging eine (kleine) Protestwelle durch die heimischen Medien: Einmal mehr dabei wurde der Boykott homophober Dancehall-Artists gefordert. MALMOE und migrazine.at haben dies zum Anlass genommen, die bereits seit den 1990er-Jahren geführte und stark polarisierte Debatte genauer unter die Lupe zu nehmen und ein differenzierteres Bild zu zeichnen. Dafür haben wir sowohl Positionen aus der Dancehall-Szene in Österreich und Deutschland eingeholt als auch LGBTIQ-Aktivist_innen aus Jamaika zur Sache befragt. Dieser Schwerpunkt (koordiniert von Rosa Danner und Sophie Schasiepen) ist auch in der aktuellen Print-Ausgabe von MALMOE zu lesen.
Übrigens: Das Bild zum Schwerpunkt ist das Logo von "Yes Yes Y'All", laut Selbstbeschreibung "Toronto's biggest, dirtiest, sweatiest, queer hip hop/dancehall jam".

Roma & Selbstorganisierung

Unter der politischen Bezeichnung "Roma" organisieren sich Roma, Sinti, Jenische, Kalé, Lavara u. a. in verschiedenen Gruppen und kämpfen für ihre Rechte. Denn obwohl sie seit fünf Jahrhunderten in Europa ansässig sind, müssen sie nach wie vor als Projektionsfläche für rassistische Fremdbilder herhalten. Dem Rassismus der jeweiligen Mehrheitsgesellschaft begegnen sie mit transnationaler Vernetzung, Selbstorganisierung und Selbsthistorisierung. Emanzipative Medienarbeit, politische Organisierung und Bildungsarbeit sind Strategien, mit denen sich Roma-Initiativen gegen Bevormundung durch nationalstaatliche Behörden, rassistische Berichte in den Mainstream-Medien oder Abschiebungen zu Wehr setzten.

Zweite Generation und Postmigration

Bezeichnungen wie "Zweite Generation" oder "Secondo"/"Seconda" verweisen auf die Lebensrealitäten von Menschen, die keine Migrant_innen sind und dennoch von der Mehrheitsgesellschaft als "Andere" konstruiert werden. Tatsächlich ist die Generation der "Postmigration" jedoch durch ein Selbstverständnis charakterisiert, das traditionelle Identitätsentwürfe infrage stellt und stattdessen ein neues Vokabular von Zugehörigkeit entwickelt.

Literatur in Bewegung

"Fremdsein ist eine Kunst", sagte einmal die japanisch-deutsche Schriftstellerin Yoko Tawada. Tatsächlich haben während des letzten Jahrzehnts die Werke von Autor_innen "migrantischer Herkunft" im deutschsprachigen Raum einen regelrechten Rezeptionsboom erlebt. Doch welche Zuschreibungen werden unter Labels wie "Migrationsliteratur" oder "interkulturelle Literatur" eigentlich verhandelt? Und: Wie könnte eine selbstbestimmte Neuverortung literarischer Identitäten – jenseits herkömmlicher Repräsentationspolitiken – aussehen?

Platz da! Migration & Medien

Seit einiger Zeit kommt Bewegung in die österreichische Medienlandschaft: Mehrheits-Medien und die Kommunikationswissenschaft entdecken die Migrant_innen neu – als Produzent_innen und Konsument_innen von medialen Inhalten. Zugleich wächst auch das Interesse an Medien von und für Migrant_innen, nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen. Ein Schwerpunkt über die Möglichkeiten der medialen Selbstrepräsentation für Migrant_innen und die Sackgassen der Diversitätslogik im Medien-Mainstream.

Queer with(out) Borders

Der Bleiberechtstag am 10. Oktober ist Anlass für diesen Themenschwerpunkt, der "Queer Refugees" gewidmet ist – Flüchtlingen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität Gewalt erfahren haben oder solche fürchten müssen. In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem feministischen Monatsmagazin "an.schläge" untersucht migrazine.at die Situation von LGBTI-Flüchtlingen (Lesbian, Gay, Transgender, Intersex) vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Asylpolitiken in Europa. Mit diesem Schwerpunkt unterstützen wir die Forderung: Bleibe- und Bewegungsrecht für alle, hier und jetzt!

Ja, ich will!

Nach dem "Wonnemonat Mai" werfen wir einen kritischen Blick auf den "schönsten Tag im Leben": über die Auswirkungen der Fremdenpolitik auf binationale Partnerschaften, die Bedeutung von Heirat und Staatsbürgerschaft auf die Entschädigungszahlungen von NS-Opfern, Scheinehen im Kino, den Medien-Hype der Zwangsehe und vieles mehr.

Diagnose: Rassismus

Ausgrenzung und Armut machen krank, bleiben aber als Ursache oft unsichtbar. Dafür boomen "inter-" und "transkulturelle" Themen im Gesundheits- und Pflegediskurs. Ein Themenschwerpunkt zur antirassistischen Gesundheitsvorsorge.

Wer die Wahl hat, hat das Wahlrecht

Wählen gilt als demokratisches Grundrecht und wichtigstes Mittel politischer Mitbestimmung. Doch wer kann hier eigentlich partizipieren? Unter welchen Bedingungen und in welcher Form? Im Themenschwerpunkt werden bestehende und mögliche Modelle von "Wählen" und "Wahlrecht" dargestellt — aus politikwissenschaftlicher, historischer und aktivistischer Perspektive. Wer bleiben will, soll bleiben können. Wer bleiben will, soll wählen können. Für ein Wahlrecht für alle!