"Österreich ist nicht interessiert"

Interview mit: 
Gerd Valchars

Blickt man über Österreichs Grenzen hinaus, wird klar: Das Wahlrecht für MigrantInnen ohne den "richtigen" Pass ist keine Utopie.

In vielen Ländern kann ich nur dann wählen gehen oder für politische Ämter gewählt werden, wenn ich die StaatsbürgerInnenschaft des jeweiligen Landes besitze. Waren in der Geschichte StaatsbürgerInnenschaft und Wahlrecht schon immer aneinander gekoppelt?

100 Prozent Gemeinderat

Parallel zur offiziellen Kommunalwahl am 7. Juni 2009 lud die Initiative "Freiburger Wahlkreis 100 %" Nicht-Wahlberechtigte zur Stimmabgabe ein.

Anfang Juni 2009: Neben den Europaratswahlen finden in Deutschlands südlichster Großstadt Freiburg Kommunalwahlen statt. Kurz darauf steht das Ergebnis für den Gemeinderat fest: Philip Bona, Präsident des Afrika-Rats in Freiburg, ist König der Stimmen.

"Dienstboten, Katholiken, Juden, Frauen, AusländerInnen"

Im Schweizer Kanton Basel-Stadt fordert ein breites BürgerInnen-Bündnis das kantonale Wahlrecht für MigrantInnen. Im März dieses Jahres wurden mehrere tausend Unterschriften an die Kantonsregierung übergeben. Im Beitrag stellt die Basler Stimmrechtsinitiative ihre Forderungen vor.

Die "Basler Stimmrechtsinitiative" [1] wurde im September 2007 von einem Personenkomitee lanciert, dem VertreterInnen aus verschiedenen Parteien, Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und aus der Kultur angehören. Die Initiative tritt dafür ein, dass MitbewohnerInnen mit Migrationshintergrund, welche die Niederlassungsbewilligung, die sogenannte C-Bewilligung, besitzen und mindestens fünf Jahre im Kanton leben, stimmen und wählen können. [2]

Queer Politics im Exil und in der Migration

Was bedeutet "Queere Politik" im Kontext von Asyl und Migration? Wie werden "Ausländerinnen" und "Lesben" vom deutschen Staat "angerufen"? Und welche Auswirkungen hat dies auf die Selbstwahrnehmung und die politischen Handlungsstrategien von immigrierten und exilierten lesbisch lebenden Frauen? Eine kritische Betrachtung der Ein- und Ausschlusslogik im Rahmen des Nationalstaates und ihrer subjektkonstituierenden Wirkungskraft.

Frauen im Exil und in der Migration haben nicht nur mit Unsichtbarmachung und Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts zu kämpfen. Vielmehr sehen sie sich mit ständiger Kontrolle und Regulierung ihres Bewegungsraumes aufgrund des Status als "Ausländerin" konfrontiert. Eine Repräsentation ihrer Stimmen auf politischer oder diskursiver Ebene findet in Öffentlichkeit wie Gegenöffentlichkeit kaum statt. [1] Anthologien wie "Talking Home. Heimat aus unserer Feder.

Nationale Mythen irritieren

Interview mit: 
Erol Yildiz

Über die neue "postmigrantische" Generation und ihr Selbstverständnis jenseits traditioneller ethnisch-nationaler Identitätsentwürfe: ein Gespräch mit dem Migrationsforscher Erol Yildiz.

migrazine.at: Mit Bezeichnungen wie "Zweite" und "Dritte Generation" wird versucht, eine neue Lebensrealität zu beschreiben: Menschen, die nicht selbst migriert sind, aber dennoch als Migrant_innen angerufen werden, und deren Biografien von Rassismus-Erfahrungen geprägt sind. Welche Auseinandersetzungen und Debatten stehen hinter diesen Begriffen?

Gefragt: Mehrfachdiskriminierung

Eine aktuell durchgeführte Studie von LesMigraS soll multiple Diskriminierung aus der Unsichtbarkeit holen und dazu beitragen, das Unterstützungsangebot für lesbische und bisexuelle Migrant_innen, Schwarze Lesben und Trans*Personen zu verbessern.

Bezieht sich das Mobbing meiner MitschülerInnen auf meine Hautfarbe oder auf meine Sexualität? Ignoriert die Polizei meine Beschwerde aufgrund meines Geschlechts, wegen meiner (vermeintlichen) Religion oder wegen meines Alters? Gewalt lässt sich oft nicht an einer einzigen Identitätszuschreibung oder Kategorie von Diskriminierung festmachen – umgekehrt bleiben gerade solche verketteten Gewalterfahrungen häufig unsichtbar, weil z.B.

Im Dazwischen schreiben?

Literatur von AutorInnen mit "Migrationshintergrund" hat während des letzten Jahrzehnts einen regelrechten Rezeptionsboom erfahren. Doch was wird eigentlich mit dem Begriff "Migrationsliteratur" behauptet?

AusländerInnenliteratur, Literatur ausländischer AutorInnen, Literatur von außen, Literatur der Betroffenheit, Gast- bzw. GastarbeiterInnenliteratur, Migrations- bzw. MigrantInnenliteratur, Minderheitenliteratur, Emigrations- bzw. ImmigrantInnenliteratur, Literatur der Fremde, Literatur mit dem Motiv der Migration, multikulturelles Schreiben, interkulturelle bzw. transnationale Literatur, Schreiben im Dazwischen …

Räume der "Zweiten Generation"

"Zweite Generation Inder_innen", "Deutsch-Inder_innen", "Halb-Inder_innen", "Indogerman_innen" oder "Desis": über gefühlte und zugeschriebene Zugehörigkeiten zu natio-ethno-kulturellen Gemeinschaften.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mir mein Vater im ersten Schuljahr anhand unserer Familie die Mengenlehre erläuterte. Er fragte, wenn drei Inder_innen (gegendert hat er den Begriff allerdings nicht) und drei Deutsche an einem Tisch säßen, wie viele Personen das seien. Im Fall unserer Familie lautete die Antwort: vier – Mutter Deutsche, Vater Inder und die beiden Kinder sowohl Inder_innen als auch Deutsche (und damit Teil einer Schnittmenge).

"A fascist answer to their voters" (English)

Interview with: 
Leila Pereira Daianis

The following interview sheds some light on the new immigration law in Italy — which condemns every illegal immigrant to the condition of a "criminal" — as seen by the migrant transgender activist Leila Pereira Daianis.

Leila, could you please introduce yourself?

My name is Leila Pereira Daianis, I was born in Brazil 54 years ago, and my family is from Pernambuco, in the Brazilian Northeast. I graduated at the University of São Paulo (USP) in philosophy and language but I specialized in Greek Mythology and Theater.

"Rassismus ist ein unbenannter Stressfaktor"

Interview mit: 
Araba Evelyn Johnston-Arthur

Warum Rassismus traumatisiert und wie das Benennen rassistischer Gewalt heilend wirken kann.

migraZine: Bis vor kurzem war in der Schaufenstergalerie von maiz die Ausstellung Website "Valium Export – Banzo" zu sehen, die sich mit dem Verhältnis von Migration und Depression auseinandersetzt. Zur Ausstellungseröffnung warst du zu einem Gespräch eingeladen, in dem es um Rassismus und Trauma ging. Könntest du diesen Zusammenhang näher erläutern?